Anti-Fashion: Mode und Frauenbewegung?

Kostüm, ca. 1912
Metropolitan Museum of Art
Kaum eine Epoche kennt die Verbindung zwischen Mode und gesellschaftlichen Idealen so gut, wie die Belle Époque. Farben, Schnitte und Stoffe geben so viel Auskunft über die Geisteshaltung und die Ideen der Menschen des langen neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts und ganz besonders kann man an ihnen den Verlauf der Frauenbewegung nachvollziehen, die besonders im fin de siècle eine große politische Angelegenheit darstellte.

Zu Beginn der Epoche sah man Frauen noch als dem Mann ergebene, demütige Wesen in gedämpften Farben und schmucklosen Kleidern, doch mit dem Fortschritt der Epoche und dem Aufstieg der Frau zur anmutigen, kecken Partnerin des Mannes wurden die Kleider bunter und gewagter mit vielen Schleifen, Rüschen und Bändern, bis zur Suffragettenbewegung um 1900, als weibliche Kleidung endlich praktisch und gemütlich wurde und die Frau als sportliche, berufstätige Person zeigte.

Aesthetic Dress & die Frau im Käfig

Der Schrei nach Anti-Mode, die gegen die immer umständlicher werdende Pariser Mode gehen sollte, kam vor allem aus England, Amerika und Deutschland und verlangte Mode für Frauen, die nicht nur gut aussah, sondern auch praktisch war, gut zu tragen, hygienisch und keine gesundheitlichen Schäden nach sich zog. Das Artistic Dress Movement der 1860er  ist ein Schritt in diese Richtung, doch den Menschen damals ging es nicht wirklich um praktischere Mode, sondern um eine Rückbesinnung zur Natur und den organischen, natürlichen Moden des Mittelalters. Aus diesem Unternehmen entsprang zum Beispiel das Londoner Modehaus Liberty, das mit seinen legeren, simplen Kreationen gegen die pompösen, aufdringlichen Pariser Moden der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts vorging. Auf dem Bild unten rechts könnt ihr ein so genanntes Teekleid von Liberty of London sehen: Das Kleid ist zwar aus edlem Stoff geschneidert, aber von Form und Verzierung her simpel gehalten und weist im losen, einfachen Schnitt durchaus Anleihen an romantisierte mittelalterliche Mode auf. Für ein Teekleid ist es fast schon aufwendig gestaltet, steht aber im scharfen Kontrast zur üppigen, bunten Tournürenmode der 1880er.

Teekleider werden außerdem oft ohne Korsett oder nur sehr leicht geschnürt getragen, weshalb sie zuerst bloß daheim getragen wurden, um Freunde und Besucher zu empfangen, aber bald auch auf der Straße. Obwohl die Artistic-Dress-Bewegung und ihr Nachfolger, die Aesthetic-Dress-Bewegung, aus der auch das Teekleid unten rechts stammt, bereits die erste Anti-Fashion war, gingen die Befürworter von Kleidungsreformen noch viel weiter. Denn sie sehen in der Mode, die Frauen unbeweglich und schwerfällig macht, einen Affront gegen die Rechte der Frauen, die gerade erst erkundet und nach langen Kämpfen zugestanden wurden. Es ist kein Wunder, dass diese Gedanken ausgerechnet in den 1850er und 1860er Jahren aufkommen, denn in dieser Zeit kommt die Krinoline in Mode: Dabei handelt es sich um ein ein schweres, umständliches Gestell aus Walknochen oder Stahl, das auf der Hüfte getragen wird und die Röcke der Damen fülliger und weiter machen soll.

Teekleid, Liberty of London, ca. 1885
Metropolitan Museum of Art
Das Bild der Frau im Käfig ist naheliegend, wenn man sich die Krinoline ansieht, und wird von den Befürwortern der Kleidungsreformen auch genau so verwendet: Die Krinoline ist ein Käfig, in dem die Frau gefangen gehalten wird und sich nicht frei bewegen kann. Wenn man bedenkt, dass einige Trägerinnen tatsächlich nicht mehr durch Türen kamen oder in Kutschen einsteigen konnten, versteht man auch, was diese Ideen hervorgerufen hat. Hinzu kommt, dass Krinolinenmode sehr gefährlich ist: Dadurch, dass die weiten Röcke nicht mehr am Körper anliegen und durch das Käfiggestell von der Trägerin entfernt sind, bemerkt sie es eventuell nicht, wenn die Röcke Feuer fangen, was in viktorianischen Tagen, als Licht- und Wärmequellen meistens Kamine, Öllampen und Kerzen waren, keine Seltenheit gewesen ist. Viele Frauen verbrannten, da sie die Flammen nicht rechtzeitig bemerkten und sich nicht von den umständlichen Kleidungsstücken befreien konnten, bevor es zu spät war.

Der kurze Erfolg der Amelia Bloomer

Eine der Frauen, die gegen die umständlichen Pariser Moden vorging, war Amelia Bloomer, die den von Elizabeth Smith Miller erdachten Hosenanzug bewarb und öffentlich zur Schau trug. Dabei handelte es sich um weite Hosen, die an den Knöcheln wieder enger wurden, wie sie damals von Frauen in asiatischen Ländern getragen wurden. Im Amerika dieser Zeit liegen die Modereformen und die Frauenbewegung sehr nah beieinander: Denn Amelia Bloomer und Libby Smith Miller waren große Befürworterinnen der Antisklavereibewegung und intelligente Frauen, die das Wahlrecht für Frauen forderten und Kleidung wollten, die ihrem Anliegen entgegenkam. Die Bloomers, wie die Hosen später genannt wurden, verschwanden um 1860 jedoch wieder, da die Trägerinnen auf der Straße belästigt wurden und auch die Presse bloß Spott für sie übrig hatte.

Dazu kam, dass Amelia Bloomer ausgerechnet die Krinoline für eine gute Erfindung hielt, wozu jedoch gesagt werden muss, dass sie trotz ihrer Fehler eine Verbesserung gegenüber der Moden zuvor war. Denn die Krinoline trug die schweren Röcke und entlastete die Taillen der Frauen. Die Reformisten kümmerten sich nun lieber um Kleidung, für die sie auf der Straße nicht ausgelacht werden konnten: Unterwäsche. Die Amerikanerin Alice Stockham, eine frühe Befürworterin von Gleichberechtigung, Verhütungsmitteln und freierem Umgang mit Sexualität forderte gesündere Unterwäsche, da besonders das Korsett Frauen gefährlich werden konnte und weibliche Unterwäsche recht unpraktisch war.

Der Kampf gegen das Korsett

Das Korsett wurde noch nicht abgeschafft, doch das Emanzipationshemd trat in den Vordergrund: Eine enge Weste, an der Röcke und Unterröcke befestigt werden konnten, damit nicht mehr die durch das Korsett belastete Taille das Gewicht tragen musste, sondern der gesamte Oberkörper. Besonders Hausmädchen und arbeitende Frauen begrüßten die "Liberation Bodice", da sie sich darin besser bewegen konnten als in einem Korsett und ihre Arbeit so natürlich besser und gemütlicher erledigen konnten. Arme Frauen trugen übrigens auch oft Korsetts, die anstelle von Walknochen oder Eisen durch Seile gestützt wurden, da diese biegsamer waren und man darin besser arbeiten konnte. Allerdings konnte auch dieses Kleidungsstück sich nicht wirklich durchsetzen, da bloß durch das Korsett die moderne Stundenglasfigur erreicht werden konnte und die Damen darauf nicht verzichten wollten. Das Korsett, von manchen Frauen (und einigen Männern) viel zu eng geschnürt, blieb ein beliebtes Stück Unterwäsche, das in jeder Garderobe zu finden war.

Im Gegensatz zum beliebten Irrglauben, das Tight Lacing in Mode war, betrieben es bloß wenige modeverrückte Damen, doch es waren genug, um Ärzte auf den Plan zu rufen, die auf die Gefährlichkeit der Praxis hinwiesen, was allerdings mit Vorsicht zu genießen ist, da eigentlich kaum haltbar. Schnürte man das Korsett zu eng, konnten sich die unteren Teile der Lunge angeblich beim Atmen nicht mehr richtig entfalten, was dazu führte, dass sie sich mehr anstrengen musste und darunter stark litt. Das sorgte laut viktorianischen Ärzten dafür, dass sie Krankheiten wie Tuberkulose nicht mehr so gut abwehren konnte, wie eine gesunde Lunge - ob das stimmt, sei mal dahin gestellt. Dazu kommt allerdings tatsächlich, dass das Korsett wichtige Muskeln zu sehr entlastete und somit einige Frauen ohne das Korsett nicht mehr gerade stehen konnten oder Rückenprobleme bekamen - schließlich trugen sie das Korsett jahrelang durchgehend. Die Viktorianer glaubten an noch viel schlimmere Folgen, doch diese beiden Konsequenzen des Tight Lacings sind zusammen mit verschobenen Organen und verkleinerten Rippenbögen die einzigen, die einigermaßen der Wahrheit entsprechen könnten.

Das Problem damit ist allerdings, dass man sich oft sicher sein kann, das viktorianische Warnschriften vor dem Korsett nicht immer wirklich aus Sorge um die Gesundheit der Frauen entstanden: Das Riskieren der eigenen Gesundheit im Sinne der Schönheit verstieß gegen den viktorianischen Bescheidenheitsglauben und wurde tatsächlich von vielen Männern deshalb nicht gern gesehen. Das Korsett an sich wurde getragen, um modisch und schön auszusehen und den Oberkörper zu stützen, doch das Tight Lacing galt als arrogant und unmoralisch und es wurde dringend dagegen geraten, natürlich auch von den Kleidungsreformisten, die nun endlich einmal von der Öffentlichkeit ernst genommen wurden. Man muss den Viktorianerinnen allerdings verzeihen, dass sie trotz aller gefährlichen Folgen dem Tight Lacing etwas abgewinnen konnten: Sie wuchsen in einer Zeit auf, in der das Korsett schon zur Garderobe kleiner Mädchen gehörte und die Mode eine extrem schmale Taille verlangte. Die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen und die Reformistinnen, die gegen das Korsett kämpften, standen sich im Weg und sorgten nicht selten für Zwiespälte.

Rational Dress Society - Ein Schritt in Richtung Zukunft

Für lange Zeit wurden die Reformisten nicht wirklich ernst genommen, oder sogar verlacht, was sicherlich auch mit der Ablehnung gegenüber der Frauenbewegung zusammenhing - ähnlich wie heute machten sich viele Männer und auch Frauen über die Forderung nach Gleichberechtigung von Frauen und Männern lustig. Zwar wurden in Sachen Unterwäsche einige Fortschritte gemacht, doch wirklich vorwärts ging es erst 1881, als sich in London die Rational Dress Society zusammenfand. Die RDS kämpfte gegen jede Art von Mode, die die natürliche Körperform nachhaltig verformte wie das Korsett, oder die Bewegungsfreiheit stark einschränkte, wie schwere, weite Röcke, die durch Krinolinen oder Tournüren gestützt wurden. Allerdings wollten sie auch hohe Schuhe, in denen man nicht richtig laufen konnte, verbannen. Der Rational Dress Society ging es darum Kleidung zu schaffen, die praktisch, gesund, gemütlich, aber gleichzeitig auch schön und modisch war.

Es ist bemerkenswert, dass die Vereinigung darauf plädierte, dass Frauen nicht mehr als 7 Pfund an Unterwäsche tragen müssen sollten. 7 Pfund sind noch immer eine ganze Menge, aber daraus kann man schließen, wie schwer Unterwäsche vor der Bewegung gewesen sein muss. Die Bemühungen der Rational Dress Society sorgten dafür, dass sich das Gewicht der Unterwäsche um die Hälfte verringerte und über die Jahre schaffte sie es, dass die Kleidung der Frauen nicht nur praktischer, sondern die praktische Kleidung auch gesellschaftlich akzeptiert wurde und in die Pariser Mode überging. Das Ende des neunzehnten Jahrhunderts markiert den Beginn eines Sporttrends, an dem auch Frauen teilnehmen sollten, obwohl den gesellschaftlichen Regeln nach Sport treibende Frauen unschicklich waren. Frauen aber wollten natürlich gern Sport treiben: In den Jahrzehnten zuvor war es Frauen aus den höheren Schichten nicht erlaubt gewesen,oft das Haus zu verlassen oder überhaupt viel draußen unterwegs zu sein. Sie saßen praktisch Tag ein, Tag aus als "Engel des Hauses" im Haus und beschäftigten sich mit Handwerksarbeiten oder Empfingen ihre Freundinnen. Wenn man nicht gerade selbst jemanden Besuchen ging oder Abends ins Theater oder zu einem Empfang geladen war, sah man als Frau nicht viel von der Außenwelt.

Doch natürlich wollten Frauen nach draußen: Neue Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen sollten ihnen helfen, dieses Ziel zu erreichen. Auch hier gibt es wieder eine enge Verbindung zwischen Gesellschaft und Mode, denn zum Beispiel das Fahrradfahren, das vielen Frauen wegen der umständlichen Röcke nicht betreiben konnten, gilt als Sinnbild für die Befreiung der Frau und das Losschütteln von alten Mustern. Natürlich sollten Frauen eben nicht Radfahren, weil es angeblich unschicklich war. Dass sie es trotzdem taten und plötzlich mobil waren, in der ganzen Stadt herumfahren konnten, wenn sie wollten, gilt als großer Schritt in Richtung Gleichstellung. Eine Lady Harberton, die auch an der Gründung der Rational Dress Society beteiligt war, erdachte sich den Fahrradanzug für Frauen, doch die Kleidungsreform konnte sich erst 1895 durchsetzen, als einige wohlhabende Frauen anfingen, die Ideen umzusetzen und praktische, gesunde Kleidung zu tragen. Einen kleinen Skandal gab es, als Lady Harberton der Zutritt zu einem Hotel versagt wurde, weil sie ihren Fahrradanzug trug. Sie ging damit an die Öffentlichkeit und erreichte so einiges an Zustimmung, denn am Ende wollte sie bloß eines: Dass die Damenmode sicher war und Unfällen und Unbeweglichkeit vorbeugte.

Verbrauchsorientierte Mode und die Frauenbewegung

In den 1890ern kamen dann die simplen Kostüme auf, die aus einem Rock, einer Bluse und einem Blazer bestanden und nicht bloß viel praktischer waren, als die komplizierte Pariser Mode, sondern auch noch einen direkten Draht zur Frauenbewegung hatten: Diese Kostüme, die erst von wohlhabenden Frauen getragen wurden und dann in die Arbeiterschicht übergingen, waren der Alltagsdress von arbeitstätigen Frauen, denn sie waren aus festem Material, hielten viel aus und man konnte sich in ihnen gut bewegen. Diese Kostüme wurden zum Inbegriff der selbstständigen Frau, die für das Frauenwahlrecht einstand, Bildung für Frauen forderte und ihr eigenes Geld verdiente und behielt. Auch in der Suffragettenbewegung sieht man die Frauen in diesen geschneiderten Kostümen und nicht in den hübschen, vom Orientalismus inspirierten Kleidern des frühen zwanzigsten Jahrhunderts.

Ganz oben auf dem Bild könnt ihr einen solchen Anzug sehen. Nun mögen einige finden, dass der gar nicht so schön und romantisch aussieht, wie die viktorianische Mode, aber nach diesem Artikel ist hoffentlich deutlich geworden, dass diese neue Mode gesünder war und einen großen gesellschaftlichen Wert hatte. Es kommt übrigens noch dazu, dass diese Anzüge der Herrenmode nachempfunden waren, etwas, dass einige Jahre zuvor niemals möglich gewesen wäre. Und hier gibt es ein paar wichtige Vokabeln, die in dem Zusammenhang von Bedeutung sind. In England wurde der Unterschied zwischen tailor und dressmaker gemacht. In Deutschland kennen wir bloß das Wort "Schneider", doch während beide Worte am Ende Schneider bedeuten, gingen Männer zum tailor und Frauen zum dressmaker. Diese neuen Kostüme hingegen sind "tailor-made".

Abendkleid, House of Worth, ca. 1910
Metropolitan Museum of Art
Die Frau von Welt ließ ihre Kleidung neuerdings bei einem Herrenschneider herstellen und das allein war ein Aufschrei, ein Ruf nach mehr Mobilität und Freiheit. Und auch ein kleiner Hieb in Richtung traditioneller Geschlechterrollen, die während des frühen zwanzigsten Jahrhunderts stark hinterfragt wurden. Natürlich schlief in dieser Zeit aber auch die Pariser Mode nicht und die meisten Damen trugen die herkömmlichen Kleider, doch der Einfluss von Rational Dress Society und den tailor-mades ist spürbar. Kleider wurden legerer, nicht weniger aufwendig, aber leichter zu tragen. Es war nun neben dem Schick auch wichtig, dass man sich in einem Kleid bewegen konnte. Links könnt ihr ein Abendkleid aus dem Haus Worth sehen, einem sehr beliebten Pariser Designer, der künstlerisch wertvolle Kleider herstellte. Die neue Silhouette der Mode um 1910, mit natürlich fallenden Röcken und weniger Trageaufwand ist eine direkte Folge der Bemühungen von Frauenbewegung und Rational Dress Society.

Der Einfluss auf die Mode

Während die oben erwähnten Bloomers um 1900 als Gymnastikanzüge für sportliche Frauen ein Comeback machten, hatten die Verbesserungen auch in der gewöhnlichen Mode einen großen Anteil: Um 1900 herum eröffneten Modehäuser, die bewusst mit Reformmode warben und die neue Mode wurde als "New Empire"-Stil beworben, als Anlehnung an die natürlichen, simplen Kleider, die um 1820 in England Mode waren. Die Zeiten, in denen Frauen mit unbequemen, und teils ungesunden Stofflagen ihre Körper verformten, waren vorbei. Dazu kommt, dass sich die Frauen an die praktischen, bewegungsfreieren Kleider sehr schnell gewöhnten und den alten, komplizierten Moden keine Träne nachweinten.

Ab 1910 kehrte der Empirestil mit der hohen Taille endgültig wieder und machte auch das eng geschnürte Korsett einmal mehr völlig überflüssig. Kleider waren nun vom Orientalismus beeinflusst: Man mochte dünne, leichte Stoffe, die in mehreren Lagen oder gerafft und obendrein natürlich fielen und keinerlei Krinolinen oder Tournüren mehr nötig hatten. Auch das könnt ihr an dem Worth-Kleid gut sehen. In der Modegeschichte wird diese Entwicklung meist einfach so abgehandelt, doch wichtig ist, dass sie eine direkte Folge der Reformkleidung und der Frauenbewegung darstellt: Die neuen Kleider mit der natürlichen Taille und dem leichten Stoff standen wie die tailor-mades für Freiheit, Beweglichkeit und Mobilität, während die alte Mode mit der eng geschnürten Taille und den Krinolinenkäfigen für Gefangenheit und Rechtlosigkeit stand. Wichtig ist, dass man Modegeschichte niemals von Gesellschaftsgeschichte trennt, denn besonders diese beiden Aspekte viktorianischer und edwardianischer Kultur sind untrennbar miteinander verbunden. Diesen Punkt übersieht man gern, wenn man sich mit einer vergangenen Epoche beschäftigt, doch besonders Mode kann uns eine Menge über die Menschen und ihre Gepflogenheiten und Sichtweisen verraten.

Selbst nachlesen?


Ribeiro, Aileen: Dress and Morality. 1986.

Waugh, Deborah Jean: Fashion, Emancipation, Reform and the Rational Undergarment. 1978.

Kommentare

  1. Die Bloomer-Hosen kannte ich schon aus einem historischen Roman.
    In den Amelia Peabody Murder Mystery von Elizabeth Peters geht es um ein Ägyptologen-Ehepaar, dass (überwiegend) in Ägypten immer wieder über Mordfälle stolpert.
    In den ersten Romanen beschreibt Amelia ihre bequeme Arbeitskleidung, die einige Jahre später fast ebenso von Amelia Bloomer vorgestellt wurde.
    Ich finde, das ist eine schöne Art so einen kleinen Anachronismus aufzulösen.

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  2. Es gab ja auch immer wieder mal Versuche, rationale Kleidung durchzusetzen, Bloomer war auch nicht die erste, die auf die Idee gekommen ist, sie war bloß mutig genug sich damit auf der Straße zu zeigen, bis die Leute sie bemerkt haben. :D Wenn man sich die Modegeschichte so anguckt, gibt es immer mal wieder ein paar Leute, die versuchen, was zu reißen, aber meistens können sie sich nicht durchsetzen. Nicht einmal Amelia Bloomer ist besonders weit gekommen. :/

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